Irisches Weihnachten, kurz erklärt
Kerzen in den Fenstern, ein Dezember-Bad in kaltem Wasser und ein Zaunkönig, den niemand wirklich jagt.
Irland feiert Weihnachten auf seine eigene Weise. Ein Teil davon ist Kirche, ein Teil Folklore, und ein Teil ergibt nur Sinn, wenn man hier aufgewachsen ist. Ein kurzer Überblick.
Eine Kerze im Fenster
Familien stellen am Abend des 24. Dezember eine einzelne Kerze ins Vorderfenster und lassen sie die ganze Nacht brennen. Die Geschichte dazu: ein Willkommenslicht für Maria und Josef, die keine Unterkunft fanden. Ob religiös gelesen oder nicht, die Wirkung in einer dunklen Dubliner Straße ist dieselbe: Jedes Haus sagt leise, du wärst hier willkommen.
Christmette
Die Christmette, die "Vigil", ist der andere Anker des Abends. Die Kirchen sind voll, oft voller als zu jedem anderen Zeitpunkt im Jahr. Lieder, Lesungen, Kerzen, die in den Bänken nach und nach angezündet werden. Vor allem in ländlichen Gemeinden beginnt hier die Feier wirklich; das Essen zu Hause kommt danach.
Das Bad am Forty Foot
Am Weihnachtsmorgen springen am Forty Foot, einer felsigen Bucht in Sandycove, Hunderte Menschen in die Irische See. Die Wassertemperatur liegt im Dezember bei rund 9 °C. Die meisten tragen Weihnachtsmützen. Viele machen es für einen guten Zweck. Zuschauer bringen Kaffee in Thermoskannen mit und sehen von den Felsen aus zu, während eine Blaskapelle spielt.
Das gibt es seit über hundert Jahren. Wenn du nur eine Dubliner Weihnachtstradition live sehen willst, dann diese.
Weihnachtsmärkte
Dublin, Galway und Cork ziehen den ganzen Monat Märkte hoch. Holzstände, Glühwein, geröstete Maronen, Handgemachtes für Geschenke. Der Markt in Galway unter dem Weihnachtsbaum am Eyre Square ist der meistfotografierte; Dublins Markt verteilt sich auf mehrere Standorte, darunter Docklands und Dún Laoghaire. Reingehen ist gratis, Eislaufen kostet extra.
St. Stephen's Day
Der Tag nach Weihnachten heißt hier nicht Boxing Day, sondern St. Stephen's Day, nach dem ersten christlichen Märtyrer. Der Tag hat eigene Bräuche:
- Wren Boys. Gruppen ziehen in Strohkostümen und alten Klamotten von Tür zu Tür, singen und sammeln Geld für wohltätige Zwecke. Ursprünglich gehörte die Jagd auf einen Zaunkönig dazu; heute kommt kein Vogel zu Schaden und das Lied ist die Hauptsache.
- Familienbesuche. Der Tag ist für die Verwandten, die man am 25. nicht geschafft hat. Lange, kurvige Autofahrten; eine Tasse Tee pro Haus.
- Sport. In vielen Städten gibt es lokale Spiele in Hurling und Gaelic Football. Auch Pferderennen: Das Programm in Leopardstown am St. Stephen's Day ist eines der größten im Jahr.
- Reste. Kalte Truthahn-Sandwiches mit Füllung und Cranberry-Soße. Wahrscheinlich die beste Mahlzeit der ganzen Saison.
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